Arbeitsgemeinschaft von
Frauengruppen und
engagierten Bürgerinnen
im Kreis Minden-Lübbecke

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Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen und Flucht“ mit betroffenen Frauen 

(hä) Im Martinihaus trafen sich jetzt drei Frauen mit Fluchterfahrung zu einer Diskussionsrunde unter Leitung von Moderator Marcel Komusin von „Demokratie leben!“ in Minden. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Minden (die Gleichstellungsbeauftragte war leider erkrankt), der Ev. Kirchenkreises Minden, die AG von Frauengruppen und engagierten Bürgerinnen im Kreis Minden-Lübbecke sowie „Demokratie Leben!“ Minden hatten gemeinsam zu dieser Veranstaltung eingeladen. Ziel war, mehr über die spezifischen Probleme von Frauen auf der Flucht und beim Neuanfang in einem fremden Land zu erfahren. Amal Hamdan aus dem Libanon, Amany Fiddah aus Syrien und Anastasia Tikhomirova aus Russland berichteten offen von ihren Erfahrungen.

Anastasia Tikhomirova ist in Süddeutschland geboren, aber in Russland aufgewachsen. Sie lebt schon seit einigen Jahren wieder in Deutschland und arbeitet als Journalistin für politische Medien. Sie berichtete vor allem über Entwicklungen in Osteuropa. In einem kurzen Einführungsreferat ging sie speziell auf die Situation der Ukrainerinnen ein, die zurzeit nach Deutschland fliehen. Sie beschrieb die Sorge um die Zurückgebliebenen und den Kraftakt eines Neuanfangs in einem fremden Land, oft mit Kindern und ohne Sprachkenntnisse. Sie schilderte die Gefahr, in der Prostitution zu landen, um Geld zu verdienen. Und sie bat um weitere Unterstützung für diese Frauen.

Amal Hamdan lebt schon seit vielen Jahren in Minden und ist bestens integriert. Sie berichtete von ihrer Flucht vor dem Krieg im Libanon Mitte der Achtzigerjahre, als 18Jährige, mit Mann und Baby. Sie erzählte von Aufnahmelagern, Verlegungen und Duldungen, von der Bürokratie, aber auch von vielen hilfsbereiten Menschen und Nachbarn. „Bei meinen Nachbarn habe ich Deutsch gelernt“, kann sie heute lachen. Die Integration in Deutschland gelang gut. „Ich habe in Minden eine neue Heimat gefunden, aber das Heimweh bleibt doch immer.“ Heute unterstützt sie andere Flüchtlinge.

Amany Fiddah kam erst 2016 im Rahmen der Familienzusammenführung aus Syrien nach Deutschland. Auch sie floh vor dem Krieg. Zuerst lebte sie in Baden-Württemberg, wo sie die Bevölkerung als sehr abweisend erlebte. In Minden sei es von Anfang an besser gewesen. Sie kämpfte sich durch, auch mit Hilfe von Amal Hamdan. Sie lernte Deutsch und ist heute im „Fluchtpunkt“ beim Ev. Kirchenkreis tätig.

Was brauchen Frauen nach der Flucht und der Ankunft in Deutschland? Eine sichere Umgebung, Geld für den Neuanfang und sprachliche Unterstützung durch Dolmetscher. Alles weitere, wie Sprachkurse und ein Arbeitsplatz, kann dann folgen. Die Frauen sind dankbar für die Aufnahme in Deutschland. „Bitte helfen Sie auch weiterhin den Flüchtlingen, speziell den Frauen. Ohne Unterstützung geht es nicht,“ so das Fazit von Anastasia Tikhomirova.

Foto: v.L.: Amal Hamdan, Anastasia Tikhomirova und Amany Fiddah-

Foto (c) Marcel Komusin